Jemand hält einen Kompass in Richtung Sonne. Das steht symbolisch für Purpose, den Sinn und die Richtung des eigenen Lebens.

Die Suche nach Purpose: 3 Schritte zu deinem Sinn des Lebens


Wie finden wir Purpose (oder auf „altdeutsch“ tieferen Sinn) im Leben? Wir zeigen dir spannende Erkenntnisse aus der Wissenschaft und eine Technik, die dir dabei hilft, dich mit dieser Frage zu beschäftigen.

Dies ist ein Gastbeitrag von Dr. Valentin Schellhaas. Mehr über ihn erfährst du am Ende des Beitrags.

Es kommt mir so vor, als ob sich in letzter Zeit nicht nur die Generation Y vermehrt mit der Suche nach dem „Sinn des Lebens“ beschäftigt, sondern immer mehr Menschen unserer heutigen Gesellschaft. Doch wonach suchen wir eigentlich genau? Und wie können wir eine Antwort auf diese Frage aller Fragen finden? Bei zentor beschäftigen wir uns sozusagen „professionell“ mit dieser Frage, denn wir entwickeln einen digitalen Mentor für ein erfülltes Leben – und Purpose ist davon ein ganz wesentlicher Teil.

Natürlich beschäftigt sich nicht erst unsere heutige Gesellschaft mit der Frage – Menschen sind seit Jahrtausenden auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Und spannenderweise gibt es auch einiges an wissenschaftlicher Forschung zu dem Thema, die bei unserem Ansatz im Zentrum liegt.

Was ist Purpose überhaupt und warum ist uns ein tieferer Sinn eigentlich so wichtig?

Wenn man sich die Glücksforschung von den alten Philosophen bis zur positiven Psychologie anschaut, lassen sich drei wesentliche Quellen für ein glückliches, erfülltes Leben ableiten

  1. Tieferer Sinn (Purpose)
  2. Engagement
  3. Wertschätzung

Sinn ist also nicht nur eine von den drei Hauptquellen für Glück, sondern vielleicht sogar die wichtigste von den dreien.

Aber was genau ist denn nun Purpose oder tieferer Sinn? Nun, ohne hier zu weit ausholen zu wollen, lässt sich aus der Kombination verschiedener Theorien und Forschung die folgende Definition ableiten:

Sinn entsteht dann, wenn mein „bestes Ich“ sich für etwas größeres Ganzes einsetzt.

Wie wir diese Definition aus wissenschaftlichen Ansätzen abgeleitet haben, kannst du gern auf unserer Seite nachlesen.

„Mein bestes Ich“ meint dabei meine wesentlichen Werte und Stärken bzw. das Positive, was meinen Charakter ausmacht. Ein „größeres Ganzes“ beschreibt ein höheres Ziel, eine tiefere Bedeutung, oder einen Beitrag zur Gesellschaft oder Menschheit als Ganzes.

Zusammengefasst entsteht Sinn also dann, wenn ich die positiven Seiten meines Charakters, insbesondere meine Werte und Stärken, für ein höheres Ziel oder zum Wohle der Gesellschaft einsetze.

Die eigenen Werte und Stärken – mein bestes Ich – verstehen

Um meinen Purpose zu finden, muss ich also zuerst einmal verstehen, was meine wesentlichen Werte und Stärken sind. Mit Werten sind Dinge gemeint wie z.B. respektvoll sein, tolerant mit Anderen umgehen oder Verantwortung übernehmen, etc.

Bei den Stärken geht es um unsere natürlichen Begabungen – das, was uns schon immer leicht fiel und uns liegt – und nicht handwerkliche Fertigkeiten, die wir mühsam erlernt haben.

Stärken und Werte definieren – leichter gesagt, als getan!

Die meisten von uns können zwar schnell ein paar Werte nennen, die uns wichtig sind, und auch ein paar unserer Stärken aufzählen. Leider beschreiben wir damit unbewusst aber oft eine Wunschvorstellung, die jemand anderes (z.B. unsere Eltern oder enge Freunde) an uns stellt, oder etwas, das wir uns vorgenommen haben zu sein bzw. in Zukunft gern wären. So etwas wie die guten Neujahrsvorsätze. Allerdings sind dies in nur wenigen Fällen unsere wesentlichen Werte und Stärken. Denn erstaunlicherweise – das haben wir in der Praxis bei zentor häufig beobachtet – tun sich viele schwer damit, die wirklich entscheidenden Eigenschaften oder Werte unseres heutigen Selbst zu beschreiben. Vielen scheint es leichter zu fallen, einen guten Freund zu beschreiben als sich selbst.

Wenn wir versuchen uns selbst besser zu verstehen, steht uns spannenderweise unser Verstand häufig im Weg. Oft sind wir uns gar nicht so richtig bewusst, was uns wirklich auszeichnet, da wir vieles unbewusst oder instinktiv machen – und einige unserer Charakterzüge nur in besonderen Situationen auftauchen.

Warum es manchmal helfen kann, in der Vergangenheit zu graben

Darum behelfen wir uns mit einem Trick: Und zwar indem wir anstatt in eine gewünschte Zukunft zu blicken in unserer Vergangenheit graben. Und uns an prägende Momente in unserem Leben erinnern. Denn diese formen unseren Charakter, und lassen in einigen seltenen Momenten unsere wesentlichen Werte und Stärken zum Vorschein kommen.

Der Moment, als ich meinen letzten Job gekündigt hatte, ist vielleicht ein gutes Beispiel: Die Entscheidung fiel mir schwer, denn es war eine gute Position in einer jungen Firma. Und letztlich war mir nicht ganz klar, warum ich wirklich gegangen bin. Wenn ich allerdings heute daran zurückdenke, habe ich etwas über meine Werte und Stärken gelernt:

  1. Die Freiheit, entscheiden zu dürfen, worauf ich meine Energie und meinen Fokus lege, ist mir unheimlich wichtig. Diese war aus diversen Gründen gerade eingeschränkt worden. Die Rolle passte also nicht mehr zu einem meiner Grundwerte: Freiheit. Die war mir viel wichtiger als der Status und das Gehalt der Stelle.
  2. Irgendwie hatte ich damals (wohl unbewusst) das Vertrauen, dass ich wieder eine spannende neue Aufgabe finden würde und die Zwischenzeit finanziell überbrücken kann. Im Nachhinein würde ich das als eine Stärke sehen: Die Fähigkeit, wieder aufzustehen und nicht aufzugeben.

Aus diesem Moment habe ich also (später) zwei Dinge gelernt: Freiheit zu entscheiden ist mir ein wichtiger Wert, und nicht aufzugeben ist eine Stärke.

Wie finde ich meinen Purpose? 3 Schritte Übung zu deinem Sinn des Lebens

Vielleicht möchtest du eine ähnliche Übung ja selbst einmal ausprobieren? Dazu gibt es eine Technik mit drei einfachen Schritten:

1 Erinnere dich an prägende Momente in deinem Leben

Erinnere dich an wirklich prägende Momente in deinem Leben (z.B. 3 positive und 3 negative), und schreibe diese in Stichworten auf.

Achte darauf nur wirklich wichtige, prägende Erlebnisse deines Lebens zu sammeln: Die Momente in denen dir etwas klar geworden ist, die dich verändert haben, in denen du etwas Besonderes gespürt hast: Stolz, Euphorie, Überraschung, Trauer, Wut oder Schock…

Je konkreter und spezifischer die Momente, umso besser. Es geht hier weniger um Phasen des Lebens, in denen irgendetwas anders war. Sondern viel mehr um spezielle Erlebnisse, für die du konkret folgende Dinge beschreiben kannst: Was, wann und wer dabei war bzw. was du erlebt, gedacht oder gefühlt hast.

2 Stelle Fragen und lerne dich selbst besser kennen

Such dir aus der Liste ein positives Erlebnis aus und versuche mit den folgenden Fragen etwas über dich selbst zu lernen. Mache dir auch hier am besten ein paar Notizen dazu:

  • Was macht dieses Erlebnis so besonders?
  • Als dieser Moment geschah, was genau hast du gefühlt?
  • Wenn du früher schon einmal etwas Ähnliches erlebt hast, was war dieses Mal anders?
  • Wer war bei dem Erlebnis dabei und welchen Einfluss hatte das auf den Moment?
  • Was glaubst du, welche Rolle du in der Situation gespielt hast? Was war dein Beitrag zu der Situation?
  • Wie hast du auf andere in dieser Situation gewirkt? Was war deren Reaktion?
  • Welche Erkenntnis hast du über dich (im Nachhinein) gezogen?
  • Was genau meinst du mit …?

Die letzte Frage ist natürlich eine Trickfrage und lässt sich an jeder beliebigen Stelle einbauen. Aber letztlich geht es genau darum – dich durch etwas Nachbohren aus der Rolle des Erlebenden in eine Perspektive eines Beobachters zu ziehen und zum Nachdenken anzuregen. Für ein noch klareres Bild kannst du diese Fragen mit deinen übrigen prägenden Momenten aus Schritt 1 durchgehen. Sowohl mit positiven wie auch negativen Erlebnissen. Wobei die negativen Erlebnisse besonders spannend sind, weil sie dir zeigen können, welche Werte du nicht teilst.

Wenn du dich wohl dabei fühlst, kann ich übrigens nur empfehlen, diese Übung einmal mit einem guten Freund oder Freundin zu machen. Man fängt sehr schnell an, die wirklich tiefen Fragen des Lebens zu diskutieren.

3 Entwickle dein „Purpose Statement“

Ziel der ersten beiden Schritte ist es, etwas über euch selbst herauszufinden, und zwar:

  • Welche Gefühle diese Erlebnisse hervorgerufen haben und warum.
  • Welches Werte- oder Menschenbild ihr zugrunde legt.
  • Welche besonderen Stärken ihr gezeigt habt (und vielleicht von anderen anerkannt
  • wurden).
  • Wie ihr auf andere wirkt.

Und hier seht ihr die Parallelen zu unserer Arbeitsdefinition von Purpose: Eure wesentlichen Werte und Stärken für etwas größeres Ganzes einsetzen, also z.B. zur (positiven) Wirkung auf andere, oder für ein Ziel, das über euch hinausgeht.

Der letzte Schritt der Übung versucht nun in einem Satz den ersten Entwurf für dein „Purpose Statement“ zusammenzufassen. Also eine Arbeitshypothese, was dir tieferen Sinn geben könnte. Das Format dazu ist einfach:

Meine (Werte und Stärken) dazu einsetzen, um (meine Wirkung zu entfalten). 

Ein Beispiel könnte also lauten: Meine Empathie dazu nutzen, anderen Menschen in schwierigen Situationen eine neue Perspektive zu geben.

In kleinen Schritten zu deinem Purpose

Vielleicht könnt ihr aus der Übung schon ein „bestes Ich“ und einen möglichen Beitrag zu einem „größeren Ganzen“ ableiten und einen Entwurf deines Purpose Statement erstellen. Falls nicht, ist das vollkommen normal. Purpose findet sich nicht über Nacht und – das wussten schon die alten Philosophen – kostet etwas Mühe und Zeit. Aber es macht Spaß, etwas über sich selbst zu lernen und auf neue Ideen zu kommen. Denn unser Purpose ändert sich auch über die Zeit. Und die beste Methode, den eigenen tieferen Sinn zu erkunden, ist irgendwo anzufangen. Mit kleinen Dingen beginnen, anderen zuhören und einfach mal neue Wege beschreiten. Etwas ausprobieren. Und man muss ja nicht gleich den Job kündigen, wenn man darüber nachdenkt, z.B. ein Buch zu schreiben oder eine Nachbarschaftshilfe zu organisieren.

Übrigens: Wenn du dich gern mit Fragen rund um das Thema Sinn und Glück beschäftigst, findest du auf zentor Inspiration und spannende Gruppen rund um das Thema Sinn und Erfüllung. Auf unserer Website liefern wir wissenschaftliche Erkenntnisse und Ideen für die Praxis.

 


Über den Autor

Dr. Valentin Schellhaas ist promovierter Psychologe, und arbeitet seit 15 Jahren in diversen internationalen Rollen in Strategieberatung und Internetfirmen. Sein Herzensthema ist, wie ein sinnerfülltes Leben in unserer heutigen Gesellschaft aussehen kann. Deshalb hat er zentor ins Leben gerufen. Zentor unterstützt als digitaler Mentor dabei, die wesentlichen Quellen für ein erfüllendes Leben – Sinn, Engagement und Wertschätzung von Mitmenschen – zu finden. Dabei werden psychologische Erkenntnisse, wissenschaftliche Ansätze und technischer Lösungen kombiniert.

 

Bild: Tim Graf auf Unsplash


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.