Ayurveda

Ayurveda: Was es mit unserem Verdauungsfeuer Agni auf sich hat


Unsere liebe Gastautorin Natalie von Laya Ayurveda hat uns bereits im Sommer in ihrem Beitrag ihre Top 4 für kühlende Ayurveda Tipps verraten. Wir wollten nun genauer wissen, was es eigentlich mit dem Verdauungsfeuer Agni auf sich hat.

Gedächtnis-Auffrischer: Was steckt hinter Ayurveda?

Ayurveda heißt nichts anderes als “Weisheit” (veda) und “langes Leben” (ayur). Es gibt natürlich unzählige Bücher, Schriften und ganze Studien, die sich mit dem Thema Ayurveda beschäftigen. Im Kern können wir Ayurveda als Naturheilsystem verstehen, bei dem es darum geht, die Nahrungsweise sowie die Yoga- und Meditationspraxis zur körperlichen und psychischen Heilung zu nutzen. Unsere menschliche Gesundheit ist dabei stark mit der Qualität der Umgebung und den Kräften der Natur verbunden. Der menschliche Organismus sowie die umgebende Welt sind aus Atomen der Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther aufgebaut.

Wir möchten in diesem Beitrag das Stichwort Nahrungsweise genauer unter die Lupe nehmen: Auf die Frage, was für den Menschen als Individuum die richtige Nahrung ist, können wir in der westlichen Medizin oftmals nicht eindeutig antworten. Die Ayurveda-Lehre geht davon aus, dass die drei bioenergetischen Körperkräfte des Menschen Vata (Luft und Raum), Pitta (im wesentlichen Feuerelemente) und Kapha (Wasser- und Erdelemente) von der Nahrung unmittelbar beeinflusst werden. Man spricht bei diesen drei Kräften von Doshas.

Was ist Agni?

Das Element Feuer spielt im Ayurvedischen eine zentrale Rolle. Nicht nur, weil es nach dem klassischen Verständnis zu Heilzwecken verwendet wurde. Sondern auch, weil es – in einem tieferen Verständnis – das biologische Feuer des Menschen widerspiegelt. Agni ist das sogenannte Verdauungsfeuer, das entscheidende Auswirkungen auf unsere Lebenskraft, das Prana, hat. Ist unser Agni ausgeglichen und gesund, fühlen wir uns stark und zufrieden. Es ist im Prinzip ähnlich wie mit unserer Life Balance: Wir streben danach, ein Gleichgewicht in unserem gesamten Leben herzustellen und zu halten. Das ist nichts anderes als der Wunsch nach Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und Wohlfühlen. Um letztendlich unsere gesamte Lebenszeit zu verbessern. So können wir auch mit ayurvedischer Ernährung und anderen Ayurveda-Techniken unser Agni (wieder) ins Gleichgewicht bringen.

Basics: Bedeutung des Agni im Ayurvedischen

Der ursprünglichen Geschichte nach ist Agni im Ayurvedischen der Feuergott. Es heißt, man solle ihm alle 5 bis 7 Stunden eine “Feuergabe” bringen. Im übertragenen Sinne heißt das, dass du alle 5 bis 7 Stunden Nahrung zu dir nehmen sollst. Dabei geht es nicht nur um die Häufigkeit, sondern auch um die Qualität der Nahrung. Stell dir vor, das Agni ist wie ein Lagerfeuer: Damit das Feuer brennt, musst du immer wieder Scheite nachlegen, d.h. dem Feuer Nährstoffe geben. Legst du zu viel nach, erstickt das Feuer. Ist es zu feucht, kann das Feuer nicht gut brennen.

Auf unseren Körper übertragen heißt das auch, dass unsere Verdauung im Ayurvedischen vom Verdauungsfeuer Agni abhängig ist. Es spaltet die Nahrung in einzelnen Elemente auf und sitzt in verschiedenen Abschnitten des Verdauungstrakts. Daher setzt sich das Verdauungsfeuer auch aus einzelnen Feuern zusammen.

6 Tipps: bring dein Agni in einen gesunden Zustand

Genug Theorie, die grundsätzliche Systematik hinter dem Agni kennst du nun. Dein Agni (zurück) in einen gesunden Zustand zu bringen, ist eines der zentralen Ziele im Ayurveda. Gesund heißt, dass es nicht zu stark und nicht zu schwach ist (bzw. brennt). Ein Agni, mit dem du dich wohlfühlst. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist deine Ernährung. Was du in deinem Alltag ausprobieren kannst, um dein Agni anzuregen und im Gleichgewicht zu halten, zeigen wir dir hier:

1 Spice it up: Nutze Gewürze

Im Avurvedischen spielen Gewürze keine unbedeutende Rolle. Insbesondere die Folgenden regen das Agni an:

  • Ingwer
  • Zimt
  • Kurkuma
  • Kreuzkümmel
  • Koriander
  • Fenchel

Diese Gewürze sind bekannt für ihre Bekömmlichkeit. Sie sorgen für eine vollständige Aufspaltung der Nahrung. Scharfes, Bitteres und Herbes zusammen steuern deinen Stoffwechsel. Wenn du wissen willst, welche Gewürze nicht in deinem Küchenschrank fehlen sollten, schau dir diesen Beitrag an.

2 Warmes Ingwer- oder Zitronenwasser

Vor allem Ingwer schafft es, dein Agni anzuregen. Das scharf-süßliche Gewürz kannst du in Form von Ingwerwasser jederzeit in deinen Alltag einbauen, ganz ohne großen Aufwand. Alles was du brauchst ist 1 Liter heißes Wasser und ca. 40 g frischen Ingwer. Zerkleinere den Ingwer, lass ihn ca. 10 Minuten im Wasser köcheln, sodass etwa ein Drittel des Wassers verdampft. Fertig. Du bist kein Fan von Ingwer? Auch Zitronenwasser bringt deine Verdauung in Schwung. Erfahre hier mehr über diese Morgenroutine.

3 Trinke bewusst

Greifen wir die Metapher des Lagerfeuers nochmal auf: Nicht nur bei zu häufiger Nahrungszufuhr, auch bei zu viel Feuchtigkeit brennt das Feuer nicht gut. Das heißt für dich: Achte darauf, wann und vor allem auch wie schnell du trinkst. Langsam schlucken ist wichtig. Versuche eine halbe Stunde vor und nach dem Essen nichts zu trinken. So schwächst du das Agni während und nach dem Essen nicht und es kann sich total auf die Nahrung konzentrieren.

4 Die Mischung macht’s

Im Ayurveda macht eine gute Mahlzeit die Vielfalt aus: Versuche mal, mehr Geschmacksrichtungen als üblich zu kombinieren. Am besten du nutzt frische Lebensmittel, die du dann würzt. Eine Herausforderung für dein Agni sind kalte und rohe Lebensmittel. Auch hier geht es wie so oft um dein Bewusstsein: für das, was du zu dir nimmst und wie achtsam du isst. Nimm dir nicht nur die Zeit zum bewussten Essen, sondern auch, um deine Mahlzeiten frisch zuzubereiten.

5 Die Menge macht’s auch

Das weiß jedes Kind, ist aber trotzdem wichtig: Iss nicht zu viel auf einmal. Die ayurvedische Ernährungslehre besagt, dass wir den Magen nur etwa zu drei Vierteln füllen sollten, damit die Verdauung nicht zu viel Energie benötigt. Das ist natürlich nur ein Richtwert, den du nicht 1:1 befolgen musst, wenn es dir nicht gut tut. Wichtig ist, dass du dir nach und nach bewusst machst, was du isst und wie viel du isst. Frage dich, ob du wirklich hungrig bist oder dein Essverhalten durch andere Faktoren beeinflusst wird. Ein kleiner aber feiner Trick, um bewusster und intensiver zu essen, ist gründliches Kauen. Klingt logisch, machen wir aber oft nicht. Je intensiver und langsamer du dein Essen im Mund zerkleinerst, umso besser können Magen und Darm arbeiten. Und durch das langsame Kauen gelangt weniger Luft in den Bauchraum. Weniger Luft gleich weniger Blähungen.

6 Agni und Yoga: Twist it

Dieser Tipp tanzt etwas aus der Reihe, aber neben Ernährung kannst du auch im Bereich Bewegung ansetzen. Yoga hilft nicht nur zu entspannen – bestimmte sanfte Yoga-Asanas können auch die Verdauung fördern. Allen voran Asanas mit Drehbewegung: Hierdurch werden die Verdauungsorgane massiert und so angeregt. Zwei Beispiele sind:

  • Sanfter Twist (auch Krokodil “Nakrasana”): Du liegst auf dem Rücken. Strecke mit der Ausatmung deine Beine nach oben und rücke deine Hüfte ein Stück nach links. Mach das linke über das rechte Knie und lege beide rechts ab. Dein Kopf zeigt nach links, die Arme sind zu den Seiten ausgestreckt. Halte die Position Das Ganze wiederholst du nach ein paar Sekunden halten auf der anderen Seite.
  • Sitzende Vorwärtsbeuge (auch “Paschimottansana”): Du sitzt aufrecht, deine Beine sind lang nach vorn ausgestreckt. Nun beugst du dich mit deinem Oberkörper über deine Oberschenkel nach vorne. Die Übung regt Magen und Darm in ihrer Verdauungstätigkeit an und hilft gegen das Völlegefühl.

Stärke dein Agni

Du hast gelernt, was Agni ist und dass Ernährung wesentlich zu einem gesunden Agni beiträgt. Schon kleine Rituale und Gewohnheiten reichen, um dein Agni zu stärken. Und ein gesundes Agni kann viel ausmachen: Du fühlst dich einfach wohler in deinem Körper. Deine Ausstrahlung ist gleich viel positiver. Probier einfach mal einige der Tipps aus und finde heraus, welche für dich gut wirken.

 

Inspiriert von Sonnenhof Ayurveda, Ayurveda-Klinik, Yoga Easy und vedalife.

Bild: Yarden auf Unsplash


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