Perfektionismus

6 Tipps für einen gesunden Perfektionismus


Für viele Menschen ist Perfektionismus etwas Erstrebenswertes. Er garantiert uns Erfolg und schützt vor Kritik – meinen wir zumindest. Doch zu viel davon erschöpft uns auf Dauer. Es lohnt sich also, ein gesundes Maß an Perfektionismus zu entwickeln.

Was ist Perfektionismus?

Einfach gesagt bedeutet Perfektionismus ein übersteigertes Streben nach Perfektion und Fehlervermeidung. Wer perfektionistisch veranlagt ist, möchte alles besonders gründlich und gewissenhaft, also zu 120%, erledigen. Auf diese Weise wollen wir Misserfolg und mögliche Kritik von vornherein vermeiden.

Die Wurzeln einer perfektionistischen Haltung liegen in der Kindheit. Wir lernen früh, dass wir für Fehler bestraft oder gerügt werden. Erfolg dagegen bringt uns Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe. Der tiefere Grund für unseren Perfektionsdrang sind also Ängste. Wir haben Angst, Fehler zu machen, kritisiert zu werden und uns selbst und andere zu enttäuschen. Letztlich ist das die Angst davor, Zuneigung zu verlieren. Dabei definieren wir Menschen uns doch nicht über unser Können, sondern unser Sein.



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Perfektionistisch zu sein ist aber auch nicht per se schlecht. Es ist hilfreich und nützlich, um im Berufsleben voran zu kommen. Auch im Privatleben helfen uns Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, unseren Alltag zu organisieren und zu bewältigen. Schwierig wird es, wenn wir uns mit unserem Streben nach Perfektion zu sehr unter Druck setzen und unflexibel werden.

Warum Perfektionismus nicht immer gesund ist

Wie für vieles gilt auch für Perfektionismus: Zu viel davon ist ungesund. Vielleicht hast du bei dir auch schon folgende Verhaltensweisen bzw. Auswirkungen von Perfektionismus wahrgenommen?:

  • Wir werden unproduktiv. Wenn wir uns in einer Aufgabe verzetteln, weil wir das Ergebnis ständig noch weiter optimieren möchten, bekommen wir oft nichts mehr auf die Reihe. Statt eines guten Ergebnisses steht am Ende: keines.
  • Wir schaden unserem Selbstwertgefühl. Perfektionisten setzen sich enorm unter Druck, alles richtig zu machen. Kleinste Unaufmerksamkeiten oder Fehler setzen sie mit Versagen gleich. Auf Dauer schaden wir damit unserem Selbstwertgefühl.
  • Wir machen uns Stress. Ein übertriebenes Streben nach Perfektion setzt uns einem dauernden Druck und Anspannung aus. Der Körper gerät in Unruhe, die Nervosität steigt. Der ständige Stress führt zu Erschöpfung. Der Anteil an Workaholics und das Burn-Out-Risiko sind Studien zufolge unter Perfektionisten deutlich erhöht.
  • Wir stehen uns selbst im Weg. Der Drang alles perfekt zu machen, verhindert oft, dass wir überhaupt anfangen. Das eigene Buch, das wir schon lange schreiben wollten, beginnen wir nie, weil es perfekt werden soll. Den Garten legen wir nie an, weil wir uns in der Planung verlieren. Letztlich stehen wir damit unseren eigenen Träumen im Weg.

6 Wege aus der Perfektionismus-Falle

1 Tagebuch führen

Nimm dir täglich eine Viertelstunde Zeit, in der du deine Gedanken aufschreibst. Diese Auszeit gehört dir alleine. Sorge dafür, dass du in deiner Ich-Zeit nicht gestört wirst. Schreibe alles auf, was dir durch den Kopf geht. Versuche deine Gedanken nicht zu filtern, sondern einfach strömen zu lassen. Schreiben wirkt wie eine kleine Wellness-Behandlung für die Seele und stoppt das ständige Gedankenkarussell. Und es hilft dabei, dir über deine eigenen Verhaltensmuster bewusst zu werden. Wenn du dieses Ich-Bewusstsein einmal geschaffen hast, wirst du mit Stresssituationen auf einmal ganz anders umgehen.

2 Achtsamkeit

Übe dich in Achtsamkeit. Halte in deinem Alltag immer wieder kurz inne und ergründe deine momentane Stimmung. Wenn du großen Druck verspürst, nimm ihn wahr, ohne ihn zu bewerten. Registriere den Perfektionismus („Aha, da ist er wieder“), aber bekämpfe ihn nicht. Gib diesem Gefühl einen Moment der Aufmerksamkeit, atme tief aus und entlasse es in die Freiheit.

3 Meditation

Nimm dir täglich Zeit für eine kurze Meditation. Überlege dir ein persönliches Mantra, das dich entspannt und deine Gedanken beruhigt. Wieder und wieder gesprochen oder gedacht, setzt es sich nach und nach in deinem Unterbewusstsein fest. Du kannst auch andere Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung lernen und mit diesem Mantra unterfüttern.

Wir haben erst vor kurzem diese geleitete Meditation von Mady Morrison entdeckt und können sie nur empfehlen. Mady gibt dir auch ein bestärkendes Mantra passend zum Thema Perfektionismus mit :-).

4 Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip besagt, dass du 80 % des Ergebnisses in 20 % der Zeit erreichst. Danach verbessert sich das Ergebnis nur noch unwesentlich. Mache dir dieses Prinzip zunutze, indem du Prioritäten richtig setzt. Erledige bei anstehenden Projekten die wichtigsten Schritte zuerst. Wenn sich Besuch ankündigt, putze nicht im Eiltempo die ganze Wohnung, sondern räume in 30 Minuten die wichtigsten Flächen auf und sauge einmal durch. Das Ergebnis wird dich überraschen!

5 Ziele

Setze dir praktikable und konkrete Ziele. Schreibe jeden Tag eine To Do-Liste mit den Aufgaben, die du an diesem Tag erledigen möchtest. Dabei stehen die wichtigsten Aufgaben oben, die unwichtigeren weiter unten. Achte auf regelmäßige Pausen. Kleine Auszeiten im Alltag helfen dir, abzuschalten. Auf Dauer erreichst du eine angenehme Balance zwischen Arbeit und Freizeit.

6 Ablenkung vermeiden

Der Drang nach Perfektionismus entsteht, wenn zu viel gleichzeitig auf uns einströmt. Wir wollen endlich die Aufgabe erledigen und gleichzeitig E-Mails, Anrufe und Nachrichten im Blick behalten. Wir alle fühlen uns in solchen Momenten gestresst. Reduziere Ablenkung um dich herum, um dich auf eine Sache zu konzentrieren. Schalte dein Handy auf lautlos, den Anrufbeantworter ein und das Mailprogramm aus. Bitte Kollegen, dich nicht zu stören. So kommst du entspannter und zufriedener ans Ziel.

Lass den Perfektionismus links liegen, denn du bist genug so wie du bist!

Wenn du dich in einigen der beschriebenen Denkmuster wieder erkennst, helfen dir unsere 6 Tipps, endlich Schluss mit dem Perfektionismus zu machen. Oder zumindest ein entspanntes Mittelmaß (dein ganz individuelles Mittelmaß!) zu finden. Probiere es einfach aus. Und denk daran: Es ist okay, nicht perfekt zu sein! Du bist gut so wie du bist.

 

Bild: Rawpixel


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